PHÄNOMEN „REBORN BABY“

Reborn-Babys sind handgefertigte Puppen, die echten Kindern täuschend ähnlich sehen. Der Trend zur Babypuppe für Erwachsene kommt aus Amerika, doch auch in Deutschland wird er immer beliebter.

 

„Ich habe seit meinem elften Lebensjahr einen extremen Kinderwunsch und mein Reborn gibt mir das Gefühl, dass ich ein ‚Baby’ zu Hause habe. Ich habe angefangen, als ich 14 Jahre alt war. Klar, das ist viel zu jung, um ein Baby zu bekommen, ich will auch meine Schule fertig machen. Aber es hilft mir!“, sagt die heute 20 Jahre alte Maggie Bellmann in einem ihrer Youtube-Videos. „Reborn“, das ist eine Babypuppe, die einem Menschenbaby täuschend ähnlich sieht. Vor einigen Jahren hat Maggie Bellmann angefangen, Videos über ihr Hobby zu drehen und auf ihren Kanal „Maggies Reborn Welt“ hochzuladen. Sie hat mittlerweile 36.900 Abonnenten.

Maggie Bellmann ist eine von vielen Reborn-Mamas in Deutschland. Sie zieht ihre Reborn-Babys dem Wetter entsprechend an, gibt ihnen die Flasche, fährt sie in einem echten Kinderwagen spazieren, stellt Bilder von ihnen auf ihren Instagram-Account. Auf den ersten Blick lassen sie sich kaum von echten Kleinkindern unterscheiden. Manche haben verwuschelte Haare, liegen mit geschlossenen Augen in die Bettdecke gekuschelt oder ballen die kleinen Hände zu Fäustchen. Erst wenn man die Aufnahmen genauer studiert, wird ersichtlich, dass es Puppen sind. „Mir ist natürlich bewusst, dass es sich hier um Reborn-Babys und damit Puppen handelt. Trotzdem teile ich mein Leben mit ihnen und dies macht mir sehr viel Spaß“, erklärt Bellmann in einem Video.

Gruselig oder hilfreich?

In Deutschland gibt es inzwischen eine richtige Reborn-Community. Manche Leute sammeln die Puppen einfach, so wie man andere Puppen auch sammelt. Andere spielen mit ihnen wie mit lebendigen Kindern. Leokadia Wolfers kennt sich in der Community gut aus. Seit 26 Jahren veranstaltet sie einmal im Jahr die Puppenfesttage in Eschwege, die auch bei den Reborn-Liebhabern sehr beliebt sind. „Die Hälfte meiner Aussteller verkaufen jetzt Reborns oder Zubehör“, sagt Wolfers. Der Trend hat sich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt.  „Aktuell sind Reborn-Puppen sehr gefragt. Immer mehr Künstlerinnen in Deutschland wollen diese nach ihren Vorstellungen gestalten.“ Mittlerweile verabreden sich die Fans zum Beispiel über Instagram, um sich in Eschwege zu treffen. Die Veranstalterin hat für die Besucher mit Reborns einen betreuten „Kinderwagen-Parkplatz“ eingerichtet. Es werde sonst zu voll, wenn alle ihre Lieblinge durch die Halle schieben, erklärt sie. Wolfers Puppenfesttage besuchen jedes Jahr rund 1500 Menschen aus ganz Europa – darunter auch Maggie Bellmann.

„Sie ist ein ganz liebes Mädchen und betreibt dieses Hobby mit einer Hingabe“, sagt Wolfers über die Youtuberin Bellmann und fügt einordnend hinzu: „Man muss unterscheiden zwischen Menschen, die Reborns lieben und denen, die es mögen, sie zu sammeln – als Hobby. Manchmal ist es grenzwertig. Das Verhalten und der Umgang der Besucher mit Reborns ist aber ihre Sache. Mir wird oft vorgeworfen, den Reborn-Babys nicht genug Liebe entgegenzubringen.“ Sie halte die professionelle Distanz zu Reborns, weil sie Ausstellerin für verschiedene Arten von Puppen sei. „Sie sind Kunstwerke. Mimik und Gestik so fein zu arbeiten, das ist wirklich eine Kunst“, sagt Wolfers.